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Open Data Next. Ein Open Data Kongress in den Niederlanden

Letzten Freitag war für die Niederlande ein wichtiger Tag. Die Tweede Kamer hat den Beitritt der Niederlande zur Open Government Partnership und einen Aktionsplan zur Open Government beschlossen. Dieser actieplan Open Overheid hat zwar (zu recht) viel harsche Kritik bekommen, doch ist es ein entschiedener Schritt in Richtung offenes Regierungshandeln. Passend zum Tag der Entscheidung wurde vom Ministerie van Binnenlandes Zaken en Konikrijksrelaties (Ministerium für Inneres und Königreichsbeziehungen) ein großer Open Data Kongress in Utrecht veranstaltet. Erste Überraschung: Ich stand auf der Hinfahrt nicht (wie erwartet) im Stau! Das Auditorium wirkte wie aus dem Film Austin Powers entliehen. Nur bunter und weniger plüschig. ## Eröffnung

Minister Plasterk eröffnete mit einer Videobotschaft die Veranstaltung und betonte, Open Data hilft gesellschaftliche Probleme zu lösen. Doch das müssen alle Beteiligten noch lernen.

Wenn wir nichts tuen, dann passiert auch nichts. Doch dann lernen wir auch nichts.

Roland Plastek, MinBLZ

Keynote von Marleen Stikker

Marleen Stikker von der Waag Society führte die Veranstaltung fort. Ihre Keynote machte sie deutlich, dass Open Data nur ein Baustein in eine andere Gesellschaft ist. Open Data löse feste Strukturen der Informationsbeschaffung, weg von einem zentralistischem System hin zu einem Peer-to-Peer-Netzwerk in dem jeder Teilnehmen (übertragen also Bürger und Verwaltung) gleichberechtigt ist. Eine schöne Vorstellung. Toll fand ich auch das Bild “If you can’t open it, you don’t own it” was beinahe in allen Lebenslagen (Mobiltelefon, Auto, Daten, …) passt.

Waarheid als een koe op #odnext pic.twitter.com/dE5YC1glKc

— TvGeest (@TvGeest) September 27, 2013

Weiter betonte sie, dass Open Data nur der erste Schritt sei. Wir alle müssen über die Datennutzung nachdenken und sollten als Konsequenz etwas wie Open Algorithm ziehen. Als Negativbeispiel sieht sie hier Google. Der Suchmaschinengigant nutzt offene Daten (einfache Internetseiten) und macht daraus mit irgendwelchen Algorithmen, die wir nicht einsehen können, Suchergebnisse. Wie verlässlich diese Ergebnisse sind können wir nicht sagen. So wissen wir nicht, ob Ergebnisse ausgelassen wurden um Werbung zu verkaufen.

Sinn und Notwendigkeit von Open Data

Einer der parallelen Sessions ging über den Sinn und die Notwendigkeit von Open Data. Es sollte allen Kongressteilnehmern klar sein warum wir alle jetzt sofort umbedingt Open Data brauchen. Daher sammelten sich die Argumente recht schnell zusammen:

Interessant fand ich die Feststellung, dass sich in einer hackerartigen Struktur innerhalb der Organisation Open Data schneller durchsetzt. Es brauch eben immer jemanden, der das Neue antreibt, solange es noch nicht verpflichtend ist. Doch finde ich, man sollte hier Hacker und Maker unterscheiden.

Von Big Data zu Small Data

Steve Pemberton gilt einer der Urväter des heutigem Internet. Damals hatte er sein Büro neben dem europäischem Internet in Amsterdam, er bekam mit wie das Internet nach Europa kam. Pemberton hielt eine imposante Keynote. Er machte deutlich, dass Big Data, also das sammeln von allerhand Daten, zwar toll sei, doch kommt es auf die kleinen Dinge an. So ist Small Data ein vergessenes Schlagwort. RDF ist ein Weg um solche kleinen Daten nutzbar zu machen. Seine Slides sind sehr ausführlich und gut nachzulesen.

Open Data in den Niederlanden ist gemütlich

Die Atmosphere auf der Veranstaltung war eine andere als auf vergleichbaren Veranstaltungen in Deutschland. Woran es lag kann ich nicht sagen. Vielleicht an den vielen Kleinigkeiten drum herum. So gab es einen Lunch und ein “Umtrunk” (Abschluss der Veranstaltung mit Gesprächen und Getränken) an einem zentralen Punkt. Das führt zu ungezwungen Gesprächen.

So unterhielt ich mich zum Abschluss mit Ton Zijlstra über die Unterschiede von Open Data in Deutschland und den Niederlanden. Doch dazu in einem anderen Blogpost. Soviel vorweg: In den Niederlanden gibt es beinahe die gleichen Diskussionen und Unsicherheiten wie in Deutschland.

Toll fand ich, dass CBS (Centraal Bureau voor de Statistiek; Zentrales Amt für Statistik) passend zum Kongress 150 Datensätze veröffentlicht hat. Aber ebenso ist es schade, dass das erst jetzt passiert. Erste Open Data-Gespräche fanden schon vor fünf Jahren statt.

Fazit

Die Niederlande sind ein kleines Land, der Kreis der Open Data-Begeisterten ist entsprechend kleiner. Viele niederländische Städte haben sich bereits mit Open Data befasst (Nijmegen, Arnhem, Rotterdam, Amsterdam, …) und nun folgen die Provinties und het Rijk, also das Land.

Mir scheint es, als ob sich nach einem rasanten Start der Open Data-Bewegung inzwischen etwas Ernüchterung eingesetzt hat. Doch wird, besonders durch die etablierte Hacker- und Makerkultur der Niederlande der pragmatische Ansatz fortgeführt, nur mit etwas angezogenen Zügeln. Die Niederlande ist auf einen guten Weg wirklich Open zu werden.

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